„Brunnen haben sehr viel
mit Bildung zu tun“

Marion Kracht ist aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Die Schauspielerin wirkt in unzähligen TV- und Kinofilmen mit. Zusätzlich unterstützt die langjährige Plan-Patin die „Because-I-am-a-Girl“-Kampagne und ist seit 2009 Mitglied im Kuratorium von Plan International Deutschland.

Frau Kracht, Sie engagieren sich seit Jahren für das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland e. V. Haben Sie selbst ein Patenkind?

Marion Kracht: Ja, im Moment sogar zwei! Ich unterstütze zwei Mädchen in Kambodscha und Guatemala. Außerdem hat mein Mann ein Kind in Kenia und auch die Klasse meines Sohnes unterstützt eines. Mein erstes Patenkind kam aus Indien.
 
Wie lange haben Sie es begleitet?

Marion Kracht: Quasi bis zur Heirat, etwa zehn Jahre. Danach hatte ich einen Jungen in Nepal. Durch politische Umbrüche musste sich Plan aus den Projektgebieten zurückziehen, wodurch ich diese Partnerschaft aufgeben musste. Bislang unterstützte ich seit Anfang der 1990er Jahre sechs Patenkinder – ich bin schon ziemlich lange dabei.
 
Was bedeutet es für Sie als Person des öffentlichen Lebens etwas weiterzugeben?
Marion Kracht: Von meinen Eltern – speziell meiner Mutter – habe ich gelernt, dass man die Verpflichtung hat, für die Menschen etwas zu tun, denen es nicht so gut geht wie einem selbst. So engagiere ich mich auch hier in Deutschland, zum Beispiel für die Biobrotbox, eine deutschlandweite Aktion für Schulanfänger. Außerdem unterstütze ich die Berliner Tafel und eben Plan. Ich finde es dabei besonders wichtig, dass es sich um Hilfe zur Selbsthilfe handelt. Die Leute vor Ort können sagen, was sie brauchen und erhalten Unterstützung sowie Anleitung. Plan zieht sich aus den Projektgebieten nach etwa zehn bis 15 Jahren zurück.
 
Wie kam der erste Kontakt zustande?
Marion Kracht: Das ging gar nicht über den Promifaktor. Ich habe ganz normal in der Zeitung über das Hilfswerk gelesen und wollte gern ein Patenkind unterstützen. Mit der Zeit habe ich die damalige Chefin kennengelernt – Marianne Raven, die ich sehr verehre – und habe mich dann auch öffentlich engagiert. Denn das ist eines der wenigen Dinge, die ich bewegen kann: andere durch meine Prominenz darauf aufmerksam zu machen, dass Plan eine tolle Organisation ist.


 
Wie ging es weiter?
Marion Kracht: Ich war relativ schnell bei großen Shows dabei, zum Beispiel in einem riesigen Studio in Amsterdam. Bei der zweiten Show habe ich dann Mel von den Spice Girls dargestellt. Durch die öffentlichen Auftritte ist Plan unglaublich nach vorne gekommen. Danach kam Marianne Raven auf die wunderbare Idee, den internationalen Mädchentag ins Leben zu rufen. Plan ist dazu weltweit an Regierungen herangetreten. Aus dieser jahrelangen Überzeugungsarbeit ist der UN-Welt-Mädchentag zur Stärkung von Mädchenrechten entstanden, der jedes Jahr am 11. Oktober begangen wird.
 
Ist das auch ein Grund dafür, dass Sie sich für die weltweite Kampagne „Because I am a Girl“ einsetzen?
Marion Kracht: Ja, weil eben ein in einen Jungen investierter Euro sich zwar in seiner Ausbildung amortisiert, aber ein Euro, den man in die Ausbildung des Mädchens investiert, sich im Wert etwa verdreifacht. Eine Mutter gibt das Geld und ihre Ausbildung immer an ihre Kinder weiter. Es gibt da diese wunderbare Wanderausstellung „Because I am a Girl“. Da kann man sehen, was es bedeutet, als Mädchen in vier verschiedenen Ländern aufzuwachsen. Mädchen haben weniger Zugang zu Bildung, zur Gesundheitsvorsorge, sind oft schutzlos. Sie werden unterdrückt, vergewaltigt. Oder was haben zum Beispiel Brunnen mit der Bildung zu tun? Sehr viel! Denn Mädchen sind traditionell dafür zuständig, das Wasser zu holen. Sie können nicht zur Schule gehen, wenn sie dafür zwei Stunden benötigen. Deshalb sind Projekte wie zum Beispiel „Piepenbrock Clean Water“ so wichtig!
 
2009 wurden Sie ins Kuratorium von Plan berufen. Beschreiben Sie bitte Ihre Aufgaben und wie Sie diese wahrnehmen.

Marion Kracht: Als Kuratoriumsmitglied stellt man sicher, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wir müssen uns die Frage stellen und beantworten: Wo gehen die Gelder hin? Der Vorstand erarbeitet die Zahlen und legt uns diese zur Prüfung vor. Meine vornehmliche Aufgabe ist es, Kontakte herzustellen. Das Kuratorium setzt sich aus ganz unterschiedlichen Menschen zusammen und wir versuchen, etwas für Plan zu bewegen.
 
Gibt es Projekte, die Sie in der Vergangenheit erfolgreich durchgeführt haben?
Marion Kracht: Ich nehme immer mal wieder Anfragen an, Events zu eröffnen oder Reden zu halten, um Aufmerksamkeit für die jeweilige Veranstaltung zu erhöhen…
 
… oder Sie treten in Fernsehshows auf!
Marion Kracht: Klar, solche Projekte habe ich auch gemacht. Dabei geht es darum, in Fernsehsendungen Spenden für Plan zu erspielen, zu erraten oder auch zu erkochen. Wobei ich sagen muss: Die wirkliche Arbeit machen die Leute vor Ort und vor denen habe ich größten Respekt!
 
Welche Impulse können Sie uns mit auf den Weg geben?

Marion Kracht: Bei Piepenbrock oder dort, wo es schon ein Engagement gibt, finde ich, sollte man vor allem davon erzählen. Das habe ich zum Beispiel in der Kirche gemacht. Wenn Sie jemanden einladen würden, der an einem Abend oder bei einer Weihnachtsfeier aus erster Hand erzählt, dann wirkt alles nicht mehr so anonym. Dann weiß ich, wo das Geld hingeht. Denn seien wir mal ehrlich: Jeder fragt sich doch, wie viel von seinem gespendeten Geld wirklich ankommt. Es ist immer noch etwas anderes, wenn man es direkt hört. Und das ist viel wert!